sehr gut (1)
gut (2)
befriedigend (3)
ausreichend (4)
mangelhaft (5)
ungenügend (6)
Seit Menschengedenken hat es kein so sommerheißes Osterfest gegeben wie jenes, an dem der Ich-Erzähler und seine Lebensgefährtin ihre Freunde besuchen. Dass diese Hitze keine Übertreibung ist, wird unaufhörlich durch Fernseh- und Radionachrichten bestätigt, denen die zwei Frauen sich aussetzen, teils süchtig, teils widerwillig. Zwar waren sie zu vergnüglichem Spiel, für gemütliche Abende und gemeinsame Aufenthalte im Freien zusammengetroffen, doch hält stattdessen ein ungeheures Verbrechen die vier, die ganze Gegend, bald Österreich und Deutschland und schließlich die zivilisierte Welt in Atem: Ein Mann, der Kameramörder genannt, hat drei Jungen in seine Gewalt gebracht, zwei von ihnen gezwungen, sich umzubringen, und dies alles mit Video gefilmt. Bei den vier Freunden mischen sich Lust an der Sensation und Abscheu gegenüber dem Verbrechen, und zumindest der Berichterstatter scheint zwischen den Banalitäten einer festlich gemeinten, stupiden Bewegung, den Abgründen einer Untat und dem Taumel der Einschaltquoten in keiner Weise unterscheiden zu können.
dtv · 2003 · 156 Seiten
Dieses Buch ist in jeder Hinsicht eine Zumutung! Wer das eher dünne Werk nicht nach den ersten Seiten schon beiseite legt, weil der Schreibstil eher an ein Rohmanuskript eines Hobbyautors erinnert und sich nicht davon abschrecken lässt, dass das ganze Buch ohne Kapiteleinteilung und Absätze auskommt, der wird irgendwann gefesselt von der Frage: Was soll das Ganze? Das Buch ist unkonventionell und spannend und hat vielleicht deshalb den renommierten Glauser-Krimipreis gewonnen. Eine Zumutung ist auch die Direktheit, ja die Brutalität der Sprache. Der Haken an der Sache: ein geübter Krimi-Leser hat schon nach wenigen Seiten eine Ahnung, was am Ende rauskommt. Auf jeden Fall mal ein "anderer" Krimi und lesenswert. [Nihil]
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